PRAXISINPUT

Inneres Auftrittsteam

 

Prüfen Sie mal für sich, was sich besser anfühlt. Wenn Sie sagen: "Ich bin nervös." Oder wenn Sie sagen: "Ein Teil von mir ist nervös."

Die meisten kommen zum Schluss, dass sich das Zweite besser anfühlt. Es lässt nämlich offen, dass es neben dem nervösen auch noch einen sicheren Teil geben kann. Vielleicht gibt es da eine mutige, eine ängstliche, eine kompetente, eine unsichere, eine präsente, eine kurzatmige, eine stolze, eine nervöse, eine intelligente, eine zitternde, eine ruhige Seite in uns. So macht es auch einen Unterschied, ob ich sage: „Ich bringe es nicht auf den Punkt.“ Oder: „Eine Seite von mir macht immer wieder unnötige Ausschweifungen.“

In Auftrittssituationen nehmen wir eine vielfältige Kombination von "Seiten" (ähnlich wie verschiedene Rollen) mit auf die "Bühne". Um unser Funktionieren bei Auftritten einfacher zu steuern, ist es hilfreich, sich aktiv mit diesen verschiedenen, individuellen Seiten auseinanderzusetzen. So können wir vermeiden, dass im Auftrittsstress unerwünschte Seiten die Überhand übernehmen (z.B. übermässige Nervosität) und gleichzeitig fördern, dass die erwünschten Qualitäten zu Tragen kommen (z.B. Leute motivieren).

Versuchen Sie Ihre Ihnen bekannten Seiten möglichst genau zu erkunden. Diese Seiten sind sozusagen Ihr "inneres Auftrittsteam“. Es ist wie bei einem Projektteam. Ein gutes und gut geführtes Auftrittsteam ermöglicht uns gute Auftritte.

 

 

Welche Seiten erkennen Sie bei sich? Erkunden Sie diese. Folgende Fragen können dabei als Inspiration dienen. Sie müssen nicht alle diese Fragen exakt beantworten, sie dienen als Anregung, damit Sie Ihr Auftritts-Team möglichst klar erfassen können.

 

Welchen Namen würden Sie den Seiten geben (es können gut auch Fantasienamen sein)? Welche Eigenschaften haben sie? Wie verhalten sie sich? Wann tritt welche Seite auf? Wann ist welche Seite dominant? Gibt es eine Hierarchie zwischen den Seiten? Welche Seite ist immer dabei? Welche kommt nur selten?

 

Fragen Sie sich auch...

Wie reagiere ich, wenn Seite X auftritt, wie reagiere ich auf Seite Y? Wie zeigen sich die Seiten über den Körper (Haltung, Gestik, Mimik)? Wie drückt sich welche Seite in der Stimme aus? Welche Seiten mögen Sie? Welche mögen Sie weniger? Welche Seiten sind nun besonders gefragt für Ihre Auftritte?

 

Wer gehört zu Ihrem inneren Auftrittsteam?

Beschreiben Sie die 2-6 wichtigsten Seiten möglichst konkret und stellen Sie diese dar (als Beschreibung, Skizze, mit Symbolen, als Bild).

Die Frage ist nun: Welches Team kennen Sie aus Erfahrung? Welches Team wünschen Sie sich für zukünftige Auftritte? Was brauchen diese Seiten, damit sie im entscheidenden Moment das Richtige tun?

 

Jemand muss die Seiten koordinieren – wie ein Manager einer Firma, ein Dirigent eines Orchesters oder ein Trainer einer Mannschaft. Und das sind Sie! Sie sind der "Chef".

 

Es ist entscheidend, bei einem Auftritt die verschiedenen Seiten so zu führen, dass der Auftritt gelingt und erfolgreich sein kann. 

Welche Seite hat welche Aufgabe? Wie bringen Sie im entscheidenden Moment wichtige Seiten in den Einsatz? Wie gehen Sie mit weniger erwünschten Seiten um, damit diese den Auftritt nicht stören? Was ist wichtig in der Vorbereitung, was bei der Durchführung? Welche Erfahrungen und Ideen haben Sie dazu?

Ergänzend können Sie sich auch überlegen, welches Auftrittsteam Sie für welche Auftrittssituation gebrauchen. Denn nicht alle Situationen verlangen nach der gleichen Kombination. Einmal braucht es mehr Seriosität, einmal mehr Coolness, einmal mehr Mitgefühl und einmal mehr Witz.

 

Bringen Sie eine Idee Ihres inneren Auftrittsteams mit ins nächste Auftrittstraining.